Didis falscher Abschlag – Bahn 11

Angesichts des Golfverbots in NRW hat unser Kolumnist mal in Niedersachsen und Hessen recherchiert, warum das Virus die dortigen Plätze nicht aufsucht und was wir vielleicht daraus lernen können. Wir wollen nicht zuviel verraten, aber hättet ihr gedacht, dass es ziemlich faul und möglicherweise selbst ein Fall für den Arzt ist?

So kommt Covid-19 nicht auf unsere 1 bis 18!

Warum das Virus die Golfplätze in Hessen und Niedersachsen meidet

Ich fahre nur ungern lange Strecken, um meinem Lieblingssport zu frönen, und will möglichst nach maximal 30 Minuten auf dem Parkplatz stehen. Doch der Lockdown zwang mich, meine Komfortzone zu verlassen: Die letzte Runde auf Haxterhöhe Links hatte ich am 15.12. gespielt – tags darauf war Schluss, weil Golfen in NRW infektionsbegünstigender ist als in 12 anderen Bundesländern. Nun bin ich zumindest diesbezüglich kein Leerdenker, aber dass Covid-19 auf unseren Bahnen 1 bis 18 leichter andockt als auf dem Spazier- und Joggingweg nebenan, hätte ich wirklich nicht gedacht. Daher wollte ich erfahren, weshalb das Spielen auf hessischen und niedersächsischen Plätzen ungefährlich ist. Vielleicht hat man dort einfach nur detailliertere Erkenntnisse über das Virus? In Frage kamen wegen ihrer Erreichbar- und Hundetauglichkeit zwei Orte: Bad Arolsen und Bad Pyrmont.

Bad Arolsen (50 Minuten Fahrtzeit von Büren wie auch von Paderborn) hat einen 9-Loch-Platz, etwas länger als der Uni-Kurs. Derzeit spielt man nicht auf Wintergrüns, sondern jede Bahn rückwärts: Los geht’s im Zweier-Flight nahe des Grüns der 9 – Ziel ist deren Damenabschlag, in dem auch die Fahne steckt. Diese „Grüns“ sind recht plan, hart und fest, sodass es sich fast „richtig“ putten lässt. Wer gerne 170 Meter plus x abschlägt, kann das viermal tun, muss aber davon wegen der vielen Buckel und Wellen dreimal „blind“ spielen. Zudem erfordern die schmalen Fairways gerade Schläge (klarer Minuspunkt) und auf fünf Bahnen geht’s zum Teil knackig bergauf beziehungsweise bergab.

Uni-GC-Spieler zahlen 10 Euro für 9 Loch und 15 für eine Tageskarte. Da 9 Loch in gut 80 Minuten bewältigt werden, bietet sich eine Doppelrunde an. Die Buchung läuft eigentlich über campo-golf.de, das diese Beträge vom Konto einziehen würde. Doch will man vorab die zweite Startzeit reservieren, werden erneut 15 Euro angezeigt. Sinn macht dann der Weg über das Sekretariat. Es ist zwar nicht besetzt, doch eine nette Mitarbeiterin – überhaupt trafen wir ausschließlich freundliche Menschen – arbeitet im Home-Office, antwortet rasch per Mail und trägt die Zeiten direkt ein. Das Greenfee kommt dann vor Ort in den Briefkasten. Die Toiletten waren übrigens nicht geöffnet, was aber immerhin das schnelle Spiel forcieren kann.

In Bad Pyrmont (75 bzw. 50 Minuten) ist das Klo mal auf, mal zu. Als es zu war, half ein netter Clubspieler per Zahlencode. Auch hier ist das Sekretariat nicht besetzt, gebucht wird über die Homepage, 25 Euro landen im Briefkasten, Mails werden fix beantwortet und die Kommunikation ist locker. Alle 18 Löcher sind doppelt gesteckt: weiß auf den Sommer-, rot auf den Wintergrüns – bei Frost und Schnee wird auf die roten Fahnen gespielt. Falls nicht viel Zeit für die Ballsuche draufgeht, ist der verordnete Zweier-Flight in weniger als 3,5 Stunden durch. Longhitter kommen auf ihre Kosten, sollten aber meist auf die oberen Fairwayseiten zielen, damit der Ball allenfalls bis zur Mitte herabrollt. Sofern er dann nicht weit unter- oder oberhalb der Füße liegt, ist für den zweiten Schlag oft auch der Griff zum Holz möglich.

Fassen wir die den beiden Plätzen gemeinsamen virusrelevanten Fakten zusammen: Covid-19 meidet Bergauf- und Bergabbahnen, schräge Fairways mit Buckeln und Wellen, Zweier-Flights, nicht besetzte Sekretariate sowie Telefone und Rechner, die von netten Menschen bedient werden. Und es scheint Probleme mit der Blase zu haben – ist das Klo nicht durchgehend geöffnet, kommt es wohl erst gar nicht.

Was heißt all das nun für uns? Hügelige Rauf-und-runter-Bahnen sowie das Spiel in  Zweier-Flights haben wir bereits, das gewinnende Wesen unserer MitarbeiterInnen ist eh legendär. Wir müssen also der Düsseldorfer Staatskanzlei lediglich melden, dass wir ab sofort die Sekretariate schließen und trotzdem erreichbar sind, dass wir tagsüber die Schlüssel für die Toiletten unter dem Blumentopf, der Fußmatte oder hinter der Außenleuchte verstecken – so wäre unser Platz auch für die unverrichteter Dinge aus dem Sauerland abreisenden Winterpinkeltouristen uninteressant – und dass unsere Mitglieder unsere Gäste weiterhin willkommen heißen, sie aber natürlich nicht in den Arm nehmen. Dann dürfte einer Wiedererlaubnis nichts im Wege stehen.

Euch hoffentlich bald wieder ein schönes Spiel!