Didis falscher Abschlag – Bahn 7

Der Corona-Virus hat auch die akribisch geplante Saisonvorbereitung unseres Kolumnisten durcheinandergeworfen. Auf Bahn 7 berichtet Didi Wedegärtner, wie er sie im heimischen Garten zu retten versuchte. Er hätte sich aber nie träumen lassen, dass er dort mal mehr Bälle verlieren würde als auf einer Runde Haxterhöhe Links.

 

Nichts gegen Abschlagnetz und 1-Euro-Challenge, aber …

Über die Freude, nach der Corona-Sperre wieder Golf spielen zu dürfen

Na endlich! Bye-bye play@home and welcome-back@haxterheight! Das war ja nicht mehr auszuhalten, bei schönstem Golfwetter auf dem Sofa zu sitzen, statt seine Bälle in den strahlend blauen Himmel zu schlagen und auf den Fairways oder an den Fahnen landen zu lassen. Und dann diese Ewigkeit, bis die Entscheidungsträger rausgefunden hatten, dass zwei Zweier-Flights tatsächlich einen größeren Abstand voneinander halten als Dutzende im Park spazierengehende Pärchen.

Aber vielleicht hätte es seitens der Golfverbände auch nur etwas mehr Kreativität in der Entwicklung spezifischer Sicherheitsmaßnahmen auf’m Platz bedurft, um den Politikern auf die Schwünge zu helfen. So würde beispielsweise auf dem Fairway ein in regelmäßigen Abständen locker um den Kopf geschwungener Driver durchaus eine gewisse Distanz zum Mitgolfer herstellen beziehungsweise mit dem ersten Treffer sogar garantieren. Oder auf dem Grün: Wenn ich mit dem Einkaufswagen zum Bäcker gehen muss, sollte es mir doch leichtfallen, zu jedem Putt den Trolley vor mir herzuschieben! Hier könnte zudem bei Bedarf eine Art Karussellfahrt den mir (etwas zu) nahestehenden Begleiter nachhaltig an die Abstandsempfehlung erinnern.

Aber zurück zum Thema: Anfangs konnten wir unseren Frust noch auf die dämlichen Nudel- und Klopapier-Hamsterer lenken, doch bald wurde das langweilig oder war wieder da – also das Klopapier. Dann sah ich auf facebook, wie viele Golfer zuhause übten. Wäre das nichts für mich? Was hatte Björn mir nach der letzten Trainerstunde vor dem Shutdown noch an Hausaufgaben empfohlen? Doch die mir tröpfchenweise einfallenden Stichwörter ließen sich leider nur in ebender Geschwindigkeit zu einer fließenden Bewegung verknüpfen – es dauerte also schon ein wenig, bis so etwas wie ein Golfschwung daraus wurde.

Der motivierte mich aber sogleich, das große Netz aus dem Carport zu holen und im Garten aufzustellen. Anfangs hielt ich auch noch die 1,5 Meter Sicherheitsabstand, doch wuchs selbiger schon bald linear zu meinem steigenden Selbstvertrauen. Nur ließ das dann die Kurven der Schlag- und der Trefferzahl auseinanderdriven und Ball auf Ball in Nachbars Garten landen. Gut immerhin, dass die zwischen Netz und Nachbars Fenstern stehenden Hecken die meisten Murmeln auffingen; schlecht, dass sie sie auch gleich verschluckten.

Das wiederum war doppelt ärgerlich, da ich mich im Winter mit verschiedenen neuen Bällen verschiedenster Anbieter ausgestattet hatte, um bis zum Saisonbeginn das für mich beste Modell gefittet zu haben. Daraus wurde allein schon wegen Corona nichts mehr, doch ich wollte die guten Stücke auch nicht alle beim Nachbarn abgeben. Wenn schon weg, dann wenigstens nach einem völlig verhunzten, aber weiten Abschlag und nicht nach einem gefühlvollen und nur minimal zu hoch geratenen 20-Meter-Pitch. Da kam Tims Aufruf zur 1-Euro-Challenge gerade recht, und zwei blaue Finger, einen zerstörten Bierflaschenhals und fünf Tage später gehörte ich zu den Glücklichen, die sich auf ein Vier-Personen-Greenfee freuen und mit etwas Dusel sogar die Golfsaison auf Haxterhöhe Links eröffnen dürfen.

Olli warf kurz nach meiner golferischen Glanzleistung mit der 100-mal-den-Ball-mit-dem-Schläger-hochhalten-Challenge den nächsten Wettbewerb aufs Grün, doch war mir solch ein Kunsstück schon in meinem früheren Leben mit zwei Füßen und einem größeren Ball nicht gelungen. Und tatsächlich legte ich den Schläger nach gut einer Minute, fünf Versuchen und insgesamt 13 Treffern zur Seite – eine wahrhaft kluge Entscheidung, denn im selben Moment meldete Sandra bereits Vollzug.

Und natürlich habe ich mich auch an den Koordinationsübungen von Agnes versucht. Nun ja, bedenkt man, dass das für solche Bewegungen optimale Lernalter in meinem Fall schon recht lange zurückliegt, bin ich froh, dass ich unverletzt aus der Nummer rausgekommen bin. Aber Spaß machen sie!

Wie auch immer: Jetzt freue ich mich darauf, euch wiederzusehen, und sei es auch nur aus viel mehr als 1,5 Metern Entfernung. Bleibt gesund und euch allen ein schönes Spiel!

Euer Didi