Aus dem Tagebuch eines Golfplatzes

Er hat es lange Zeit verschwiegen, doch nun gewährt uns unser Golfplatz Haxterhöhe Links Einblicke in sein Tagebuch.

6. Mai 2020

Liebes Tagebuch,

Golf ist wieder erlaubt. Ab morgen dürfen auch die Sportstätten in NRW zu einem großen Teil wieder betrieben und für Freizeitsport genutzt werden. Das weckt Frühlingsgefühle. Das schüttelt Corona-Lethargie vom Leib. Das lässt nach vorne schauen.

Ich hatte in den letzten Wochen echt keine Lust, ein paar Zeilen zu verfassen. Ich war enttäuscht und niedergeschlagen, dass dem Breitensport und somit auch dem Golf so wenig Beachtung geschenkt wurde. In Zeiten vor Corona vernahm man immerzu ein glorifizierendes „Oh, Sport und Gesundheit“ oder „Oh, Sport und Soziales“ oder „Oh, Sport und Ehrenamt“. Und nun? Lange Zeit Funkstille. Zugegeben und so leid es mir um manch Sportart tut: Bis Ringen und Judo in gewohnter Weise wieder ausgeübt werden dürfen, wird noch viel Wasser durch die Pader fließen. Aber die Liste der Sportarten, die vom ersten Tag der Lockerungen an konform mit allen Kontakt- und Hygienebestimmungen hätten ausgeübt werden können, passt eben nicht mehr auf einen Bierdeckel.

Jetzt aber geht es los. Die Greenkeeper stellen die Schnitthöhen etwas tiefer, bringen die Abschlagsmarkierung aus und setzen die Flaggenstöcke in die Löcher. Und ab Donnerstag freue ich mich über zurückkehrende Golferinnen und Golfer. Ob ich sie wiedererkenne? Trotz Corona-Frisur, die sich auf dem Kopf oder im Gesicht zeigt? Trotz Corona-Kilos, die hier mehr und dort weniger auf den Rippen liegen? Trotz neuer Corona-Technik, die im Wohnzimmer oder im Garten erworben wurde? Ich bin echt mal gespannt.

Mir selbst ist die golffreie Zeit recht gut bekommen. Naja, aus mir ist jetzt kein St. Andrews oder gar Augusta geworden. Da muss man den Dom schon in der Stadt lassen. Aber meine Abschläge haben sich gut regeneriert und die Nachsaat auf den Grüns keimt auf. Ich würde mich so freuen, wenn die Golferinnen und Golfer ihren Teil zur Platzqualität beitragen, indem sie Divots auf den Abschlägen vermeiden | VIDEO | und Pitchmarken richtig ausbessern | VIDEO |.

Bevor es den letzten Feinschliff auf den Grüns gibt, ruhe ich mich noch etwas aus. Die nächsten Tage, Wochen, ach Monate werden trotz des späteren Starts in die Golfsaison anstrengend genug. Ich hoffe nur, dass die Golfenden wie die Nicht-Golfenden sich ihrer individuellen Verantwortung bewusst sind und das (Golf-)Jahr keine zweite Pause erhält.

Mit großer Vorfreude auf´s Golfspiel
Dein Haxterhöhe Links

 

9. April 2020

Liebes Tagebuch,

in Zeiten, in denen auf mir Golf gespielt wird, bekomme ich so allerhand Gesprächsthemen mit. Wer welches Golfturnier gewonnen hat, wie toll sich der neue Schläger von PING anfühlt, wie es sich auf anderen Golfplätzen spielt und wer wo zur Erholung war. Da denke ich manchmal: Wo bitteschön soll´s denn erholsamer sein als bei einer Golfrunde auf mir?

Doch über die zurückliegenden drei Wochen habe ich mehr und mehr verstanden, was es mit dieser Urlaubsthematik auf sich hat. Seit Mitte März hab ich ja auch irgendwie Auszeit, brauche nicht täglich meine Leistung zu bringen, kann mir auch mal einen „bad grass day“ gönnen und lasse die Bunker ungeharkt. Ernährungstechnisch ist gerade auch alles top: Wasser aus der Leitung, Dünger, Sand, Sonne und warme Temperaturen lassen keine Rasenwünsche offen. Es hat sich sogar die Zeit für ein paar besondere Wellness-Anwendungen wie Grüns nachsäen, Bunkerkanten stechen und Moos ausgroomern ergeben. Ich erhole mich prächtig!

Von meinem tierischen Informationsnetzwerk habe ich Dir ja schon einmal erzählt. Die Spatzen pfeifen es ganz leise von ihren Dächern: In Dänemark und Norwegen wurde das Golfspielen unter strengen Regeln wieder erlaubt. In Tschechien und Österreich bewegt sich ebenfalls was. Und auch in Deutschland haben die Verbände in verschiedenen Briefen an Entscheidungsträger auf die guten Organisations- und Steuerungsmöglichkeiten der Sportart Golf hingewiesen. Hoffentlich wird das bei den ersten Lockerungsmaßnahmen bedacht. Denn trotz aller Erholung spüre ich bei mir schon die ersten Anzeichen von Urlaubskoller.

Auf ein ruhiges Osterfest, bis die Tage und gut geh´n
Dein Haxterhöhe Links

 

25. März 2020 

Liebes Tagebuch,

halt Dich fest wenn ich Dir erzähle, was Melinda und Felix mir berichtet haben: nicht nur wir beiden Golfplätze im Uni-GC sind seit Mittwoch gesperrt sondern alle Plätze in OWL, alle Plätze in NRW, alle Plätze in Deutschland und sogar ganz viele Plätze in Europa sind geschlossen. Bei so einem Ausmaß kann gut verstehen, dass sich die Lerchen beim Zwitschern überschlagen. 

Unter den Golferinnen und Golfern grassiert ein Virus, wussten die beiden noch zu berichten. „Ja, ja, das weiß ich doch:“ hab ich entgegnet, „Die einen spielen tagtäglich auf mir, die anderen manchmal 27 Löcher oder mehr an einem Tag. Aber wegen diesem Golfvirus gleich alle Plätze schließen?“. Daraufhin haben Melinda und Felix sehr ernst geantwortet: dass es ein Grippe-ähnliches Virus ist, dass es sehr ansteckend ist, dass das Immunsystem der Menschen nicht effektiv reagieren kann, dass es dagegen kein Medikament oder Impfstoff gibt, dass es schon zahlreiche Todesfälle gegeben hat und dass zum Eindämmen der Ausbreitung u.a. alle Sportanlagen und so auch alle Golfplätze nicht genutzt werden dürfen. Da blieb mir echt die Stimme weg.

Zum Glück dürfen die Greenkeeper weiter ihrer Arbeit nachgehen. So ganz allein wäre nicht gut für mich, da ständen mit schnell die Gräser zu Berge. Und die Grünhosen kümmern sich wirklich sehr engagiert um meinen Bruder Uni und mich. Wir werden gemäht, gelocht, gesandet und gestriegelt – nach so einem nasskalten Winter tut das richtig gut. Richtig toll ist auch, dass die Greenkeeper schon ganz viel Moos aus meinen Grüns gebürstet haben. Zusammen mit der Nachsaat in der kommenden Woche und den steigenden Temperaturen brauche ich meine Puttbereiche echt nicht verstecken, die werden den Golfenden wieder richtig viel Spaß machen. Wenn sie denn bald wieder zum Spielen kommen dürfen. 

Wie Du liest, geht es mir vom Platz her echt gut. Aber meine Seele ist schon etwas betrübt: ach, wie gerne würde ich ein paar Golfbälle und -schuhe auf mir spüren. Weil etwas komisch ist es ja schon, dass auf dem Fußweg neben mir immer paarweise spaziert wird. Aber mit dem Bericht von Melinda und Felix im Ohr steht außer Frage, dass es gerade wichtigeres als Golfspielen gibt. Man wird schon erkennen, dass der Virus, mit dem man sich auf mir anstecken kann, einer der guten Art ist.

Bis die Tage und gut geh´n
Dein Haxterhöhe Links

 

19. März 2020

Liebes Tagebuch,

ich bin jetzt etwas über acht Jahre alt. Acht Jahre, fünf Monate und 19 Tage, um genau zu sein. In dieser Zeit kam es immer wieder mal vor, dass keiner auf mir Golf gespielt hat. Meistens ist das im Winter so, wenn es nass und kalt und windig ist – Paderborner Winter halt. Aber selbst dann gibt es immer noch mal ein paar Verrückte, die sich wie alpine Skifahrer*innen anziehen, ihre Golftasche schultern und nach meiner Wahrnehmung freudvoll eine (halbe) Runde gehen. Aber wenn das Wetter richtig mies ist, werde ich gesperrt, Platzstatus D, da geht dann nichts mehr. Selbst die Greenkeeper trauen sich dann nur zu Fuß auf mich drauf.

Aber seit knapp einer Woche ist es so richtig schön frühlingshaft und sonnig. Letztes Wochenende hat gefühlt jeder gespielt – naja, manch Schlagbewegung sah nach so langer Pause schon etwas rostig und angestaubt aus, aber das ist jedes Jahr so (hihi). Auch Montag und Dienstag war echt viel los, wobei die Stimmung etwas wehmütig war. Und jetzt bin ich seit Mittwoch auf unbestimmte Zeit gesperrt. Auch mein kleiner Bruder Uni darf nicht mehr bespielt werden. Komisch.

Eine Sperrung bei gutem Wetter ist jetzt nichts komplett Neues für mich. Vor zwei Jahren wurde im April unweit von mir eine Bombe entschärft und anstelle des Saison-Eröffnungs-Turniers gab es leider ein Betretungsverbot. Manchmal bis ich auch nur zur Hälfte gesperrt, dann sind die Jungs vom Greenkeeping immer voll im Einsatz, bringen Dünger aus oder ährivitsyren (das ist echt ein schwieriges Wort; meine Grüns sehen danach immer komisch aus, aber es tut mir richtig gut). Die schönste Sperrung ist immer die nach dem Clubmeisterschaftssonntag: Dann sind die Golfer*innen noch fröhlicher als sonst und schauen mich fast etwas glückselig an – richtig klasse ist das!

Nun ja, ich werde mich mal schlau machen, was das mit dieser Sperrung auf sich hat. Die Lerchen zwitschern schon ganz aufgeregt, aber auch so schnell, dass ich nichts verstehen kann. Mit dem Falken Felix hab ich mich in den letzten Jahren gut angefreundet. Und der Milan Melinda ist erfreulicherweise auch wieder in der Gegend. Die beiden werde ich mal fragen, die haben immer einen guten Überblick.

Bis die Tage und gut geh´n Dein Haxterhöhe Links